Japanisch ist schwer

Die Schwierigkeiten beginnen schon mit der Schrift. Selbst in der frühen Vergangenheit hatten die Japaner keine eigene Schrift hervorgebracht, deshalb übernahmen sie vor knapp eineinhalb Jahrtausenden kurzerhand die chinesischen Schriftzeichen (die auf Japanisch kanji heissen), die jeweils Inhalte, also keine Lautfolgen, ausdrücken. Weil aber die japanische Sprache völlig anders aufgebaut ist als die chinesische und weil das Japanische zahlreiche dem Chinesischen unbekannte Endungen und verbindende Partikel enthält, mussten sie zur Ergänzung zwei eigene Silbenalphabete, hiragana und katakana entwickeln. Hiragana dient heute vorwiegend grammatikalischen Erfordernissen, während katakana vor allem aus fremden Sprachen übernommene Wörter ausgeschrieben werden. Hiragana und Katakana besteht aus je 46 Silben, Kanji aus etwa 50 000 Zeichen, wobei man um Zeitung lesen zu können, etwa 3 000 kennen muss. Dazu kommt die lateinische («römische») Schrift romanji, die als Umschrift des Japanischen dient.

An sich könnten die Japaner sämtliche (chinesischen) Schriftzeichen abschaffen und alle Wörter in Silbenschrift formulieren. Der Schreibunterricht in den Schulen beginnt mit dem Erlernen der Silbenalphabete, mit ihnen können die Kinder bereits alles formulieren, bevor sie nur ein einziges Zeichen beherrschen. Trotzdem denkt niemand daran, die Schriftzeichen chinesischen Ursprungs abzuschaffen, weil künftige Genrationen dann die gesamte überlieferte Literatur nicht mehr lesen könnte. Japaner sind in ihren geistigen Verhalten konservativ.

Anderseits gibt es im Japanischen weder weiblich noch männlich, keine Einzahl oder Mehrzahl, keine Artikel und keine Konjugation. Japanische Substantive sind unveränderbar. Hon heisst ebenso das Buch, ein Buch oder die Bücher, und das Verb yomimasu kann von: Ich lese bis: sie lesen alles bedeuten. Weiterhin gibt es nur zwei Zeiten: Gegenwart und Zukunft als eine Zeitform und eine Vergangenheitsform. Alle Verben haben in den zwei Zeitformen die je gleichen Endungen Lesen heisst in der Gegenwart und Zukunft yomimasu und als Vergangenheit yomimashita. Verneint in der Gegenwart/Zukunft yomimasen und in der Vergangenheit verneint yomimasen deshita. Davon gibt es weder Unregelmässigkeiten noch Ausnahmen.

Was gemeint ist, ergibt sich aus dem Zusammenhang. Japanisch wird von einem Volk gesprochen, das Jahrtausende lang isoliert vor sich hin lebte. Dabei sind die sozialen Spielregeln jedem derart in Fleisch und Blut übergegangen, dass man weiss, was gemeint ist, ohne dass es langer Erklärungen bedarf.

Das Grundbedürfnis nach Harmonie bestimmt die Kommunikation. Ein Ja auf Japanisch, hai, bedeutet durchaus nicht immer Zustimmung, es meint in der Regel nur, «ich verstehe, warum du das sagst». Echte Zustimmung wäre von zusätzlichen Signalen begleitet. Auch eine japanische Ablehnung will verstanden sein. Wenn es irgend geht, vermeiden Japaner ein klares und hartes Nein, iie, weil jede deutliche Ablehnung, jede negative Entscheidung, die bestehende Harmonie gefährdet.

Seit der Öffnung des Landes im 19. Jahrhundert saugt die japanische Sprache aus dem Englischen, Französischen, Portugiesischen, Deutschen und Holländischen ständig neue Begriffe auf. Dabei wird aus dem Englischen z.B. knife zu naifu, hamburger zu hanbaagaa, hotdog zu hottodoggu, beer zu biiru und wine zu wainu. Aus dem Portugiesischen pan zu pan und tempura zu tenpura. Aus dem Deutschen z. B. Arbeit zu arubaito, Neurose zu noirooze und Haken zu haaken. Aus dem Französischen Croissant zu kurowassan und Gratin zu guratan.

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