Geschichte Sarajevos

Die Herrschaft der Osmanen

Die Türken eroberten in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts das Gebiet des heutigen Mittelbosniens und damit auch Sarajevo.

Die erste Moschee auf diesem Gebiet war die Kaisermoschee.

Gazi Husrev Beg übernahm ab 1521 die Herrschaft und gab der weiteren Entwicklung Sarajevos besonders in ökonomischer Hinsicht wichtige Anstösse.

Im Jahr 1667 drang Prinz Eugen von Savoyen im Rahmen eines Feldzuges bis nach Sarajevo vor. Die Stadt wurde niedergebrannt. Davon erholte sich Sarajevo bis zum Ende der türkischen Herrschaft nicht mehr.

 

Unter den Habsburgern

Die Hoffnungen der Menschen in Bosnien und Herzegowina auf einen unabhängigen Staat wurde mit den Ergebnissen des Berliner Kongresses 1878 enttäuscht. Österreich-Ungarn sollte das Land zunächst verwalten, später wurde es von ihnen okkupiert. Durch diese Annexion verschärften sich die Spannungen im Land.

Kronprinz Franz Ferdinand kam in Begleitung seiner Frau am 28. Juli 1914 zu einem offiziellen Besuch nach Sarajevo. Man hatte ihm von diesem Besuch abgeraten, da die einheimische Bevölkerung den Österreichern feindlich gesonnen war. Der serbische Gymnasiast wartete auf das Auto der Besucher, feuerte zwei Schüsse ab und traf den Erzherzog und seine Frau tödlich. Diese Tat löste den Ersten Weltkrieg aus.

Die Bewohner von Sarajevo sind nicht glücklich darüber, dass ihre Stadt mit diesem Mord und dem Beginn des 1. Weltkrieges in Verbindung gebracht wird.

 

Zwischenkriegszeit und Zweiter Weltkrieg

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen gegründet. Bosnien und Herzegowina war Teil dieses neuen Staates, in dem erstmals alle Südslawen integriert waren. Die meisten Völker dieses neuen Königreiches waren unzufrieden mit der neuen Situation.

Nach dem Überfall der Deutschen auf Jugoslawien im Jahr 1941 zogen Hitlers Truppen in Sarajevo ein. Gleichzeitig war Sarajevo mit seinen umliegenden Bergen ein Zentrum des Widerstandes. Er organisierte sich in den serbisch-nationalistischen Cetnik-Verbänden und den Partisanenverbänden Titos. Die endgültige Befreiung gelang erst am 5. April 1945.

 

Hauptstadt der Republik Bosnien und Herzegowina

Sarajevo wurde nach dem Zweiten Weltkrieg Hauptstadt der Republik Bosnien und Herzegowina. Das Stadtgebiet erweiterte sich erheblich, neue Wohnviertel mit zumeist anspruchslosen Wohnblöcken entstanden.

Die erste Fakultät entstand 1949, bald darauf auch die Universität mit 30 Fakultäten. Sehr schnell verschafften sich die Bildungseinrichtungen einen guten Ruf in der Welt.

Grosse Zentren zur Metallverarbeitung entstanden, und die Automobilindustrie, beispielsweise Volkswagen, produzierte hier.

Im Februar 1984 stand Sarajevo als Austragungsort der 14. Olympischen Winterspiele im Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit. Rund 2000 Sportler, Betreuer und Funktionäre aus 49 Nationen kamen nach Sarajevo. Für die Olympischen Spiele wurden Strassen neu- und ausgebaut, das Olympische Dorf errichtet und zahlreiche neue Hotels gebaut.

 

Der Bosnienkrieg

Die Belagerung Sarajevos begann im April 1992. Serbische Truppen bezogen auf den Bergen um Sarajevo Stellung, zogen in der Folgezeit den Belagerungsring zu und postierten etwa 250 Panzer, 120 Artilleriegeschütze sowie andere Waffen auf den Hügeln. Von dort nahmen sie die überwiegend von Moslems bewohnten Stadtviertel unter Beschuss, auch das Stadtzentrum mit seiner berühmten Altstadt.

Während der dreieinhalb Jahre dauernden Belagerung war Sarajevo täglich weltweit in den Medien präsent. Alle wichtigen Fernsehstationen hatten Reporter vor Ort.

Im Juli 1992 richtete die UNO eine Luftbrücke zur Versorgung der Menschen in Sarajevo ein. Der Flughafen wurde während der Belagerung zur wichtigsten Verbindung zur Aussenwelt.

Zwei kurz hintereinander verübte Massaker lösten erneut weltweites Entsetzen aus. Am 5. Februar 1994 schlug auf dem Marktplatz von Sarajevo eine Granate ein und forderte 68 Opfer, nur ein halbes Jahr später explodierte erneut eine Mörsergranate auf dem Marktplatz, diesmal waren 41 Tote und 80 Verletzte zu beklagen. Für beide Attentate wurden die bosnischen Serben verantwortlich gemacht, die die Schuld strikt von sich wiesen. Der Untersuchungsbericht der UNO äusserte Zweifel an der bosnisch-serbischen Täterschaft, aufklären liessen sich die Attentate nie.

Als Reaktion auf die Tragödien wurden die bosnischen Serben dennoch aufgefordert, alle schweren Waffen abzuziehen, allenfalls würden amerikanische Luftangriffe erfolgen. Aus der Luft wurden durch die NATO bosnische Serben beschossen.

Im Dezember 1995 wurde in Dayton der Friedensvertrag für Bosnien und Herzegowina unterzeichnet, die Belagerung Sarajevos aber erst im darauffolgenden Februar offiziell für beendet erklärt. Das Abkommen von Dayton bestimmte, dass auch die überwiegend von Serben bewohnten Stadtviertel Sarajevos unter muslimische Verwaltung gestellt werden sollen. Darauf flohen die Serben zu Tausenden aus ihren Häusern, insgesamt 150 000 Serben verliessen die Stadt.

Die Belagerung Sarajevos forderte insgesamt über 10 000 Tote, darunter nahezu 2 000 Kinder. Die Zahl der durch Granaten, Minen oder durch Scharfschützen verletzten Menschen wird auf 50 000 geschätzt.

Hauptsächliche Quelle: „Bosnien und Herzegowina“ von Marko Plesnik 2012

 

Sarajevo ist die Hauptstadt des Landes, es wohnen ca. 450 000 Menschen in der Stadt. An vielen Häusern sind Beschädigungen durch Schüsse zu sehen. Vieles ist repariert oder neu gebaut worden. Es gibt Moscheen, katholische und orthodoxe Kirchen und eine grosse Synagoge. Die Multikulturalität lebt wieder, auch wenn von offiziellen Seiten die Trennung und der Hass zwischen den Bevölkerungsgruppen weiterhin geschürt werden, wie wir hören. So gehen die Kinder im gleichen Schulhaus getrennt nach muslimischen Bosniern und bosnischen Serben in verschiedene Klassen und hören die Geschichte des Landes aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Bei den Touristen überwiegen solche aus muslimischen Ländern wie Saudi-Arabien. Diese kaufen auch Land und bauen Häuser, was nicht nur zum Vorteil des Landes ist.

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