Geschichte Andalusiens

Geschichte Andalusiens

 

Vor- und Frühgeschichte

ab 40‘000- 1300 v. Chr.

In Höhlen hinterlassen Menschen des Cro-Magnon-Typus prähistorische Felsenmalereien

 

ab 100 v. Chr.

Die Phönizier gründen am Atlantik die Handelsniederlassung Gadir (Cádiz) und am Mittelmeer Malaka (Málaga). Ab 700 v. Chr. übernimmt Karthago die Stützpunkte in Iberien und gründet weitere. Der zweite punische Krieg (218-201), in dem Hannibal mit seinen Elefanten durch Spanien, Südfrankreich und über die Alpen nach Italien zieht, endet mit der Niederlage Karthagos und den Verlust Iberiens an Rom.

 

Römische und westgotische Herrschaft

206 v. Chr. – 5. Jh.

Scipio beginnt mit der Unterwerfung der Halbinsel. Noch im Jahre 206 gründet Rom nahe Sevilla die erste römische Stadt: Itálica. Baetica, das heutige Andalusien wird eine der drei Provinzen von Hispania: Ihre Hauptstadt ist Córdoba. Von der tiefgreifenden Romanisierung zeugt bis heute die spanische Sprache.

 

409 – 466

Im Rahmen der durch den Hunnensturm ausgelösten Völkerwanderung dringen Vandalen, Alanen und Sueben und schliesslich Westgoten auf die iberische Halbinsel vor

 

 

6.Jh.

Von den Franken besiegt und aus Südfrankreich verdrängt, verlegen die Westgoten ihr Königreich 506 auf die iberische Halbinsel, mit Toledo als Hauptstadt. 200 Jahre herrschte Frieden, das Militär wurde vernachlässigt

 

Arabische Herrschaft und Reconquista

710 – 718

Nachdem arabische Reiterheere die ehemals römischen Provinzen in Nordafrika unterworfen haben, setzen sie unter Führung des Berbers Tariq 710 zu einer Razzia auf die Iberische Halbinsel über.

Tarifa und Gibraltar (Gibr al Tariq) sind vom Namen des Berberführers Tariq abgeleitet

In wenigen Jahren erobern die Araber den Süden Iberiens. Das Gebiet wird in den Reichsverband der Omaiyaden-Kalifen eingegliedert.

Die arabischen Vorstösse gingen bis nach Potiers (Frankreich)

 

756 -788

Nach dem Sturz der in Damaskus residierenden Omaiyaden gelingt dem letzten männlichen Nachkommen, Abd ar-Rahman I, die Flucht nach al-Andalus.

 

822 – 961

Unter Abd ar-Rahman II erlebt das maurische Spanien eine kulturelle Blütezeit. Abd ar-Rahman III proklamiert 929 ein von Bagdad unabhängiges Gegenkalifat. Unter seiner Regentschaft gelangt al-Andalus zu höchster wirtschaftlicher und kultureller Blüte. Nahe Córdoba, der damals neben Konstantinopel grössten und schönsten Metropole, lässt Abd ar-Rahman III seine prunkvolle Kalifenstadt Medinat al-Zahra errichten.

 

976 – 1031

Hisham II besteigt als Elfjähriger den Thron, die Macht übt der despotische Reichsverweser al-Mansur aus, der 57 Feldzüge gegen den christlichen Norden unternimmt. Ab 1009 zerfällt das Kalifat, in Córdoba bricht ein Bürgerkrieg aus. 1016 zerstören Berber-Söldner die Kalifenstadt Medinat al-Zahra. Schliesslich zerfällt al-Andalus in eine Reihe von taifas, von Familien bzw. Sippen regierten Kleinkönigreichen.

 

1085 – 1145

Der kastilische König Alfonso VI erobert Toledo. Das in taifas zerfallene islamisch-arabische Reich ruft die orthodox-islamischen Almoraviden aus Nordafrika zu Hilfe. Sie übernehmen die Vorherrschaft in al-Andalus.

 

1147 – 1230

Die streng religiösen Almohaden, Nachfolger der Almoraviden, nehmen Sevilla, Granada und Almería ein und können den christlichen Vorstoss noch einmal aufhalten: 1195 besiegen sie Alfonso VIII. In der Folgezeit verbünden sich die Könige von Kastilien und Aragón, deren gemeinsamem Ansturm die Almohaden 1212 in der Schlacht von Las Navas de Tolosa (Nordostandalusien) unterliegen.

 

ab 1230

Die Christen erobern das gesamte Guadalquivir-Becken; 1236 fällt Córdoba, 1248 Sevilla in die Hände von Fernando III. Die grosszügige Vergabe von Ländereien an den beteiligten Adel und Klerus begünstigt die Herausbildung der Latifundienwirtschaft.

 

1238-1273

In Granada begründet Mohamed Ibn al-Ahmar die Herrschaft der Nasriden-Dynastie und beginnt mit dem Bau der Alhambra. Das arabisch-islamische Restreich auf spanischen Boden umfasst die heutigen Provinzen Granada und einen Grossteil Málagas, Jaéns und Almerías. Durch geschickte Bündnispolitik und Tributzahlungen an Kastilien kann sich die Nasriden-Dynastie bis Ende der 15. Jh. halten.

 

1349 – 1369

Pedro el Cruel residiert als kastilischer König in Sevilla. Maurische Handwerker errichten für ihn den Alcázar.

 

1469 – 1492

Isabel von Kastilien heiratet Fernando II, den Kronprinzen des Königreichs Aragón. Die Königreiche werden von den sogenannten Katholischen Königen in Personalunion regiert, ihre Heere dringen weiter nach Süden vor. Am 2. Januar 1492 übergibt Boabdil das in dynastischen Fehden verstrickte Königreich von Granada den Katholischen Königen. Kurz darauf werden die Juden gezwungen, zu konvertieren oder das Land zu verlassen (Sephardim). Handel und Handwerk verfallen nach der Auswanderung der Juden. Christoph Kolumbus erhält die Unterstützung der Katholischen Könige, den Westweg nach Indien zu suchen.

 

1503

Sevilla erhält das Monopol für den Überseehandel. Sevilla wurde gewählt, weil sich der Seeweg dahin am leichtesten gegen Piraten verteidigen liess.

 

Die Habsburger

1516 – 1556

Carlos I Sohn von Juana la Loca, Tochter der Katholischen Könige, und ihres Gemahls Philipp des Schönen aus dem Hause Habsburg, ist spanische König. 1530 lässt er sich als Karl V zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation krönen und regiert von nun an ein Weltimperium. Das Azteken und das Inkareich werden erobert.

 

ab 1557

Karls Sohn Philipp II wird König über Spanien und regiert ein Reich, „in dem die Sonne nie untergeht“. Die Aufstände der  moriskischen Bevölkerung in Andalusien lässt Philipp II 1568 niederschlagen. Der Konflikt mit der Kolonialmacht England verschärft sich. Die spanische Armada, die „Unbesiegbare“ segelt nach Norden, wird aber 1588 von den Engländern vernichtend geschlagen.

 

1609

Ausweisung der muslimischen Bevölkerung  (Mauren oder moriscos). Die meisten lassen sich in Nordafrika nieder. Viele Landstriche versteppen, Handel und Handwerk verfallen.

 

Die Bourbonen

Carlos II hat Felipe V, aus dem Hause Bourbon, ein Enkel des Sonnenkönigs, zum Erben bestimmt. Das löst den Spanischen Erbfolgekrieg aus, in dem die Briten Gibraltar erobern.

 

1759 – 1788

Der Reformkönig Carlos III verbessert die Infrastruktur des Landes, schränkt die Inquisition ein und bekämpft die andalusische Wegelagerei.

 

1805

In der Schlacht von Trafalgar unterliegen die Spanier mit ihrer gerade erst wieder erstarkten Flotte gegen den von Lord Nelson geführten englischen Flottenverband.

 

1808 – 1814

Napoleons Soldaten marschieren in Spanien ein, treffen aber auf dem hartnäckigen Widerstand der Bevölkerung. Am 19. Juli 1808 besiegt ein Volksheer bei Bailén (Provinz Jaén) französische Truppen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_von_Reding

In Cádiz treten im selben Jahr die Cortes zusammen und erarbeiten eine bürgerlich-liberale Verfassung, die sie 1812 verkündeten.

 

1814 – 1833

1814 kehrt der von den Franzosen gefangen gehaltene spanische Thronfolger Fernando VII in sein Heimatland zurück. Er löst die Cortes auf und unterdrückt die bürgerlich-liberale Bewegung.

 

1833 – 1876

Drei Karlistenkriege um die Thronfolge erschüttern das Land. Die Situation der andalusischen Tagelöhner verschlechtert sich, ihren Unmut machen sie in Übergriffen auf die Grossgrundbesitzer Luft. 1843/1844 wird die Guardia Civil gegründet, eine paramilitärische Polizeieinheit. Sie soll die Landarbeiteraufstände in Andalusien niederschlagen.

 

1873 – 1879

Die Erste Republik wird 1873 ausgerufen. Im Folgejahr kann die monarchistische Bewegung jedoch wieder einen König inthronisieren: Alfonso XII. Die Arbeiterbewegung erstarkt, 1879 wird die PSOE (Sozialistische Arbeiterpartei) gegründet.

 

bis 1898

Nachdem sich die Kolonien seit 1821 vom Mutterland zu lösen begannen, verliert Spanien gegen Ende des 19. Jh. die letzten Überseegebiete.

 

Das 20. Jahrhundert

1923 – 1930

Mit Billigung von Alfonso XII führt General Primo de Rivera mit diktatorischer Gebärde die Regierung. Er geht mit harter Hand gegen die republikanische Bewegung und die andalusischen Landarbeiter vor.

 

1931 – 1933

Wahlsieg der Republikaner, Alfonso XII setzt sich ins Ausland ab. Die neue Regierung beschliesst eine Agrarreform, die nur schleppend vorankommt und mit dem Wahlsieg einer Koalition von Rechtsparteien 1933 gestoppt wird.

 

1936 – 1939

Die Linksparteien, Sozialisten, Kommunisten und Anarchisten schliessen sich zur Volksfront zusammen und erhalten 1936 die Mehrheit. Eine Agrarreform wird nun zügig umgesetzt, wobei die andalusischen Landarbeiter vielerorts zur Selbsthilfe greifen. Im Juli 1936 putschen die Rechtskräfte unter der Leitung der Generäle Franco und Mola gegen die Republik. Franco, der seine Armee von Marokko nach Andalusien übersetzt, hat das von konservativen Grossgrundbesitzern dominierte Westandalusien schnell unter Kontrolle. Deutschland und Italien helfen den Aufständischen mit Waffen und Truppen (Hitlers Piloten bombardieren das baskische Guernica), während die Republikaner von der Sowjetunion und den Internationalen Brigaden, über 40‘000 Freiwillige, Hilfe erhalten. Als der Waffennachschub versiegt, rollen die Aufständischen Stück für Stück die republikanischen Gebiete auf und ziehen schliesslich in der spanischen Hauptstadt Madrid ein.

 

1939 – 1975

Am 1. April 1939 beginnt die Franco-Diktatur. Parteien und Gewerkschaften werden verboten, Regimegegner hingerichtet. Ab Mitte der 1950-Jahre kommt es zu ersten Arbeiterstreiks und Studentenunruhen. Wirtschaftliche Liberalisierungsmassnahmen und die aussenwirtschaftliche Öffnung leiten das Wirtschaftswunder der 1960-Jahre ein. Am 20.November 1975 stirbt der Diktator.

 

1975 – 1982

Unter dem neuen Staatsoberhaupt König Juan Carlos I beginnt die transición: Spanien kehrt zur Demokratie zurück.

 

1982 – 1992

Nach dem Wahlsieg der sozialistischen Arbeiterpartei PSOE erlebt das Land unter Felipe González ein Jahrzehnt des Aufschwungs.

 

Nach der Jahrtausendwende

2000

Die konservative Partido Popular unter José Maria Aznar gewinnt zum zweiten Mal die Parlamentswahlen.

 

2002

Spanien und Grossbritannien verhandeln eine gemeinsame Verwaltung für Gibraltar, britische Kronkolonie seit 1713. Diese wird von den Gibralteños abgelehnt.

 

2004

Bei den Wahlen kurz nach den Bombenanschlägen islamischer Fundamentalisten am 11. März in der spanischen Hauptstadt gewinnt die PSOE die Mehrheit und stellt mit Ministerpräsident Zapatero die neue Regierung.

 

2010

Andalusien feiert den 125. Jahrestag von Blas Infante, der als Begründer und Vater der „andalusischen Nation“ geehrt wird. Spanien übernimmt im ersten Halbjahr 2010 die Präsidentschaft der EU. Das Land leidet besonders stark unter den Folgen der Finanzkrise, die Arbeitslosigkeit steigt sprunghaft an.

http://de.wikipedia.org/wiki/Blas_Infante

 

ab 2011

Bei den vorgezogenen Neuwahlen vom 20. November 2011 gewann der Partido Popular unter Mariano Rajoy die absolute Mehrheit. Im August 2012 verschärfte Rajoy den Austeritätskurs (von 65 Milliarden Euro auf etwa 102 Milliarden Euro). Im Juni 2014 kündigte Juan Carlos seinen Rücktritt an. Nachfolger wurde sein Sohn.

 

 

Das arabische Erbe

Spanien kenne kaum Fremdenfeindlichkeit. Die Spanier verstehen sich selbst als ein Rassengemisch, darum komme kaum Rassismus auf.

Der arabische Einfluss in Spanien dauerte 800 Jahre (711 – 1609), der christliche 400 Jahre (1609 – heute)

Die Araber eroberten Spanien in 4-5 Jahren, die Reconquista dauerte 900 Jahre

Viele Ortsnamen sind arabischen Ursprungs. Alle die mit „Al“ beginnen, wie Almería, Alicante, Algeciras…

„Al“ ist ein arabischer Artikel.

Die Vorsilbe „Gua“ (Guadalquivir…) ist vom arabischen „Wad“ abgeleitet und bedeutet Fluss

Etwa 20 % der spanischen Wörter sind arabischen Ursprungs (Albahaca = Basilikum, Alfombra = Teppich, Almohaca = Kissen, Alameda = Allee, Albaricoque = Aprikose, Algodón = Baumwolle, Alcalde = Bürgermeister, Alcohol = Alkohol, Alcazaba = Burg, Jaqueca = Migräne….)

Das Wort ojalá (= hoffentlich) ist vom arabischen „inshallah“ („So Gott will“) abgeleitet.

 

Der arabische Einfluss war in vielen Bereichen, wie Architektur, Musik, Philosophie, Medizin, Astronomie, Gesetzgebung, Landwirtschaft etc. bedeutend. Das Land galt während der Araberherrschaft wissenschaftlich und technologisch als viel weiter fortgeschritten als der Rest Europas

Die Gitarre wurde in Andalusien aus dem arabischen Saiteninstrument Oud (deutsch Laute) entwickelt. Heute ist die Gitarre eines der am häufigsten gespielten Instrumente weltweit.

 

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.